Vom 12. bis 17. Mai 2026 unternahm unsere 8. Klasse eine eindrucksvolle und zugleich emotionale Gedenkfahrt nach Auschwitz. Anlass war das Gedenken an die ermordeten Sinti- und Roma Kinder der St. Josefspflege Mulfingen, deren Schicksal inzwischen in einer eigenen Ausstellung im Stammlager in Auschwitz dokumentiert wird.
Bereits im Vorfeld hatten sich die Schüler seit Anfang des Schuljahres intensiv mit der Geschichte beschäftigt. Im Unterricht sahen sie unter anderem den Dokumentarfilm „Auf Wiedersehen im Himmel“ sowie weitere Materialien über die Verfolgung der Sinti und Roma. Besonders bewegend war ein Kurzfilm im Gedenkraum im Stammlager in Auschwitz. Er zeigt Sinti Kinder aus der St. Josefspflege, gefilmt 1942 von NS Rassenbiologen. Ihre Eltern waren bereits deportiert worden. Im Mai 1944 wurden auch die Kinder nach Auschwitz verschleppt. Bis auf vier überlebte niemand. Ihr Schicksal steht stellvertretend für die vielen Sinti- und Roma Kinder, die im nationalsozialistisch besetzten Europa verfolgt und ermordet wurden.
Nach der langen Busfahrt bezog die Gruppe am Dienstag ihre Zimmer und stärkte sich erst einmal. Am Mittwoch folgte der Besuch des Stammlagers Auschwitz. Die Schüler erlebten die bedrückende Atmosphäre der Baracken, Zellen und Ausstellungsräume. Ein Ort, der die Dimensionen des nationalsozialistischen Terrors unmittelbar spürbar macht. Am Nachmittag sorgten Basketball gegen Jugendliche aus anderen Ländern, Tischtennis und Billard für etwas Ablenkung, bevor der Tag mit einem gemeinsamen Filmabend ausklang.
Am Donnerstag stand das Vernichtungslager Birkenau auf dem Programm. Die Größe des Geländes, die endlosen Gleise und die Überreste der Krematorien hinterließen ihre Spuren. Besonders bewegend war für viele der direkte Bezug zur Geschichte der Mulfinger Sinti Kinder, deren Weg genau hier endete. Am Gedenkmal hielt die Klassenlehrerin der 8. Klasse eine kurze Ansprache und las alle Namen der Mulfinger Kinder vor. Anschließend wurde eine Kerze angezündet und die Schüler und Begleitpersonen gedachten der Opfer in einer Schweigeminute. Man merkte der Gruppe an diesem Tag an, wie sie die Eindrücke belasteten: nicht nur wegen des schweren, emotionalen Themas, sondern auch durch die körperliche Anstrengung des langen Rundgangs.
Am Freitag besuchte die Gruppe die Stadt Krakau und erlebte deren historische Schönheit. Die Schüler waren die Stadtführer und stellten den Begleitpersonen die vielen Sehenswürdigkeiten vor. Der Samstag verlief im Gegensatz zu den anderen Tagen ruhiger. Gutes Essen, gemeinsame Restaurantbesuche und ein Bowlingabend stärkten die Klassengemeinschaft, die während der Reise spürbar gewachsen ist. Am Sonntag erreichte die Gruppe kurz vor 22 Uhr wieder Mulfingen – müde, aber voller neuer Erfahrungen, die hoffentlich für immer bleiben und die Schüler auf ihrem weiteren Lebensweg begleiten werden.
Diese Fahrt war mehr als eine Klassenreise. Sie war ein Beitrag zur Erinnerungskultur und ein Zeichen des Respekts gegenüber den Opfern des Nationalsozialismus – insbesondere den Sinti und Roma Kindern der St. Josefspflege. Ihre Namen und Bilder bleiben und ihr Schicksal verpflichtet uns.
Unser besonderer Dank gilt der Sanddorf Stiftung, die diese wichtige Erfahrung für uns ermöglicht hat!