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Erziehung nach Auschwitz - Bildungsreise der Freiwilligen, Studenten, Azubis und Mitarbeitenden

11.11.2025 Josefspflege

Vom 13. bis 17. Oktober hatten unsere neuen Auszubildenden, FSJler*innen und Studierenden die Möglichkeit, an einer Bildungsreise nach Polen teilzunehmen. Im Mittelpunkt standen die Auseinandersetzung mit der Geschichte von Auschwitz und Birkenau, das Gedenken an die Kinder der Josefspflege sowie gemeinsame Reflexionsrunden. Ein Tag in Krakau und der Besuch des Salzbergwerks Wieliczka rundeten die Fahrt ab. Wie intensiv diese Tage erlebt wurden, schildert eine FSJlerin in ihrem Reisebericht.

„Erziehung nach Auschwitz“ – Meine Eindrücke als FSJlerin auf Bildungsreise nach Polen

Als ich erfahren habe, dass wir im Rahmen unseres FSJ an der Bildungsreise „Erziehung nach Auschwitz“ teilnehmen können, war ich gleichzeitig neugierig und verunsichert. Auschwitz – der Name allein löst schon ein komisches Gefühl im Bauch aus. Ich wusste aus der Schule natürlich einiges über den Holocaust, aber mir war schnell klar, diese Fahrt wird etwas anderes. Es geht nicht nur um Geschichte allgemein, sondern auch um die besondere, sehr traurige Geschichte der Sinti- und Roma-Kinder der St. Josefspflege Mulfingen. Dass Kinder, die an demselben Ort lebten, an dem ich jetzt arbeite, nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurden, hat mich schon im Vorfeld sehr beschäftigt.

Montag – Anreise und erstes Ankommen

Früh morgens, noch im Dunkeln, trafen wir uns vor der Josefspflege in Mulfingen. Viele von uns waren müde, einige aufgeregt, manche wussten gar nicht so richtig, was sie erwartet. Im Reisebus fuhren wir nach Oświęcim (Auschwitz).

Am späten Nachmittag kamen wir im „Zentrum für Dialog und Gebet“ an, unserer Unterkunft für die nächsten Tage. Wir bezogen unsere Zimmer, aßen gemeinsam zu Abend und bekamen eine erste Einführung in den Ablauf der Woche und setzen uns mit dem Film „Auf Wiedersehen im Himmel“ auseinander.

Dienstag – Museum Auschwitz I: Geschichte bekommt ein Gesicht

Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zum Stammlager Auschwitz I. Schon der Eingang mit dem bekannten Schriftzug „Arbeit macht frei“ wirkte beklemmend. Ich kannte diesen von Bildern, aber selbst darunter hindurchzugehen, war ein anderes Gefühl irgendwie unwirklich und doch ganz real.

Während der Führung bekamen wir viele Informationen und sahen Originalräume, Fotos, persönliche Gegenstände der Opfer und Dokumente. Besonders berührt haben mich die riesigen Glasvitrinen mit den Haaren, Koffern und Schuhen der Menschen. Es war auf einmal nicht mehr „Geschichte aus dem Buch“, sondern Schicksale einzelner Menschen. An manchen Stellen musste ich einfach nur still dastehen und versuchen, all das zu begreifen.

Mir blieb vor allem ein Gedanke im Kopf: Hinter jedem Namen, jedem Gegenstand steht ein Leben – mit Familie, Träumen und Zukunft, die brutal genommen wurden. Abends haben wir in der Runde darüber gesprochen, was uns besonders beschäftigt hat. Es tat gut, darüber reden zu können und zu merken, dass andere ähnliche Gefühle hatten: Fassungslosigkeit, Traurigkeit, aber auch Wut darüber, wozu Menschen fähig sein können.
Mir gefiel, dass es ein Ort ist, an dem nicht nur über Geschichte gesprochen wird, sondern auch über Fragen, die uns heute betreffen: Verantwortung, Menschenwürde, Haltung…

Mittwoch – Auschwitz-Birkenau und Gedenken an die Kinder der Josefspflege

Am nächsten Tag besuchten wir Auschwitz-Birkenau, das große Konzentrations- und Vernichtungslager. Allein die Größe des Geländes hat mich überwältigt. Die langen Schienen, die Baracken, die Reste der Gaskammern – es war stiller als am Vortag. Ich hatte das Gefühl, dass hier noch mehr unausgesprochen in der Luft liegt.

Unsere Führung führte uns an die Orte, an denen Menschen nach ihrer Ankunft selektiert, zur Zwangsarbeit eingeteilt oder direkt in den Tod geschickt wurden. Besonders intensiv war der Moment, als wir vor der Baracke standen, in der die Kinder aus Mulfingen untergebracht waren. Plötzlich war die Verbindung zu Mulfingen ganz nah. Es waren Kinder, die in denselben Gebäuden gelebt haben, in denen wir heute arbeiten, spielen, lernen und leben. Wir hörten einem Gedicht zu, welches genau für diesen Moment von einer Mitarbeiterin verfasst wurde. Im Anschluss Stille.

Am Abend fand an der „alten Judenrampe“ in Oświęcim eine Gedenkzeremonie statt. Wir stellten Kerzen auf, lasen Namen der Kinder vor und hielten einen Moment der Stille. Für mich war das einer der bewegendsten Augenblicke der gesamten Reise. Ich hatte einen Kloß im Hals, aber gleichzeitig war da auch eine Form von Dankbarkeit, dass wir heute hier stehen und erinnern können. Es fühlte sich an wie ein Versprechen, die Geschichte nicht zu vergessen.

Donnerstag – Krakau und das Salzbergwerk Wieliczka: Geschichte, Kultur und etwas Leichtigkeit

Am Donnerstag verließen wir Oświęcim und fuhren nach Krakau. Auf dem Weg dorthin besuchten wir das Salzbergwerk Wieliczka. Die unterirdischen Gänge, Salzskulpturen und großen Hallen waren beeindruckend und boten einen starken Kontrast zu den Tagen zuvor. Ich merkte, dass es gut tat, einmal tief durchzuatmen und etwas anderes zu sehen – ohne die schweren Themen ganz zu vergessen.

Später erkundeten wir den mittelalterlichen Stadtkern von Krakau. Die schönen Gebäude, der Wavel, der Marktplatz, die Marienkirche und die Tuchhalle. All das zeigte eine andere Seite von Polen. Wir hatten Zeit, in kleinen Gruppen durch die Stadt zu laufen, etwas zu essen und einfach das Leben dort zu erleben. Die Stimmung in unserer Gruppe war gelöst, wir konnten lachen und trotzdem war uns allen bewusst, dass diese Leichtigkeit nur ein Teil unserer Reise ist.

Freitag – Rückreise und Nachwirken

Am letzten Tag machten wir uns nach dem Frühstück auf die Rückreise nach Mulfingen. Im Bus war es deutlich ruhiger als auf der Hinfahrt. Viele haben geschlafen, Musik gehört oder einfach aus dem Fenster geschaut. Ich habe mir ein paar Notizen gemacht, weil ich Angst hatte, dass die vielen Eindrücke sonst zu schnell verblassen.

Zurück in Mulfingen fühlte sich alles irgendwie vertraut und gleichzeitig anders an. Wenn ich jetzt über das Gelände laufe, denke ich öfter an die Geschichte der Sinti- und Roma-Kinder und daran, wie wichtig es ist, dass wir ihre Namen und Lebensgeschichten nicht vergessen.

Mein Fazit – Dankbarkeit und Verantwortung

Die Bildungsreise nach Auschwitz und Krakau war für mich keine „normale“ Fahrt, sondern eine sehr intensive Erfahrung. Sie hat mich nachdenklich gemacht, traurig, manchmal auch sprachlos – aber sie hat mir auch gezeigt, wie wichtig Erinnern ist.

Ich nehme viel für mich mit:

  • Geschichte wird erst begreifbar, wenn man die Orte sieht und sich mit den Menschen dahinter beschäftigt.
  • Die Geschichte der Sinti- und Roma-Kinder der St. Josefspflege ist Teil unseres Arbeitsortes und damit auch Teil unserer Verantwortung.
  • Haltung zu zeigen gegen Rassismus, Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit beginnt im Alltag – in kleinen Situationen, in Sprache und im Umgang miteinander.

Ich bin der St. Josefspflege sehr dankbar, dass ich an dieser Reise teilnehmen durfte. Es ist nicht selbstverständlich, so eine Möglichkeit zu bekommen. Die Fahrt hat mich persönlich weitergebracht, als Mensch und in meiner Rolle als FSJlerin. Ich hoffe, dass viele weitere Auszubildende und Mitarbeitende diese Erfahrung machen können, damit die Worte „Erinnern, Gedenken, Mahnen“ lebendig bleiben und uns alle daran erinnern, wofür wir stehen wollen.

 

 

Die St. Josefspflege Mulfingen gGmbH dankt an dieser Stelle der Sanddorf-Stiftung für die finanzielle Unterstützung in diesem so wichtigen Projekt!

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