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St. Josefspflege Mulfingen gGmbH
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Die St. Josefspflege Mulfingen gGmbH ist Mitglied in der Arbeits- Gemeinschaft der Dienste und Einrichtungen für Erziehungshilfen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart


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"Erziehung nach Auschwitz"

Aus Vergangenheit und Gegenwart für die Zukunft lernen
- Reisen der St. Josefspflege nach Auschwitz-


In der St. Josefspflege hat sich seit 1989 eine besondere Lernkultur auf dem Hintergrund eines direkten historischen Ereignisses entwickelt und tradiert.
Im Mai 1944 wurden von hier 39 Sinti- und Romakinder nach Auschwitz deportiert. 35 von ihnen wurden dort im August 1944 ermordet.
Die St. Josefspflege war zwangsweise zum Sammelort für diese Kinder und Jugendlichen bestimmt worden, deren Eltern schon in Konzentrationslager verschleppt worden waren.
Ein Grund für dieses Vorgehen waren die 'Forschungsarbeiten' für eine Promotion der Mitarbeiterin des Instituts für Rassenhygiene in Berlin, Eva Justin.

Lehrer und Erzieher entwickelten gemeinsam mit Professor Kurt Senne und einer Studentengruppe der Fachhochschule Esslingen im Rahmen des Projektstudiums mit dem Titel 'Erziehung nach Auschwitz' ein Konzept für eine Bildungsreise nach Auschwitz für benachteiligte Jugendliche.
Die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung wurde von den Student(innen) begleitet, unterstützt und dokumentiert.

Ziel des Projektes war die Suche nach ins Alltagsleben integrierbaren Lernformen, die auf dem Weg sinnlicher Erfahrungen Geschichte für Jugendliche nachvollziehbarer machen.
Konkret sollte eine Kultur etabliert werden, die durchgängig das geschichtliche Ereignis beleuchtet und als Lernfeld verfügbar macht.
Kern der Arbeit sollte eine jährliche Bildungsreise nach Auschwitz mit Jugendlichen der achten Klasse werden.

Bisher ist es gelungen, die Vorbereitung, die Reise und eine in die Heimkultur integrierte Nachbereitung in jedem Jahr anzubieten.
An Hochschultagen der Fachhochschule Esslingen stellten sich mitgereiste Jugendliche der Fachöffentlichkeit als Experten zur Verfügung.
Am 50. Jahrestag der Deportation veranstalteten wir eine ganztätige öffentliche Gedenkfeier.
Der inhaltliche Teil war von den Jugendlichen gestaltet worden.

Die Bildungsreise ist mittlerweile ein wichtiger Teil der Heim- und Schulkultur.
Viele mitgereiste Jugendliche fragen, ob sie noch einmal mitfahren dürfen.

Schon zu Beginn der achten Klasse wird mit den Vorbereitungen begonnen.
Die Reise findet im Frühsommer statt und ist ein fester Bestandteil im Jahreskreislauf.

Das gesamte Projekt enthält immer ausgewogene Anteile in den themen- und personenzentrierten Bereichen (Nachforschen in der Einrichtung, Bearbeitung von Filmen, Suche nach Spezialgebieten, Zuordnung in Interessengruppen, regelmäßige Bearbeitung der Befindlichkeit der Teilnehmer, Fokussierung auf die Lernmöglichkeit für persönliches Wachstum).
Die vorbereiteten Themenschwerpunkte werden in den Interessengruppen mit auf die Reise genommen und vor Ort in Auschwitz weiter bearbeitet.

Die Bildungsreise bietet in den zehn Tagen:

- Besichtigung und Führung
- Suche nach Fakten in Kleingruppen
- Arbeit im Archiv
- Mitarbeit bei der Erhaltung der Gedenkstätte
- Zeitzeugengespräche
- Filmvorführungen
- Erstellen einer Dokumentation
- tägliche Reflexions- und Planungsgespräche, die auf Befindlichkeit, Bedürfnisse und neue Lernziele ausgerichtet sind